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Die Macht der Gewohnheit - der wahre Feind
Kluge Gedanken von klugen Menschen
Zunächst möchte ich ihnen eine Auswahl von Zitaten, zur Macht der Gewohnheit vorstellen.
Alles Gewohnte zieht ein immer fester werdendes Netz von Spinnweben um uns zusammen; und alsbald merken wir, dass die Fäden zu Stricken geworden sind. Wir selber sitzen als Spinne in der Mitte, die sich hier gefangen hat und von ihrem eigenen Blute zehren muss.
Friedrich Nietzsche, Menschliches, allzu menschliches.
Wie stark diese Stricke sind, haben auch Sie sicher bereits immer dann bemerkt, wenn Sie einmal versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören.
Die chronischen Krankheiten der Seele entstehen wie die des Leibes, sehr selten nur durch einmalige grobe Vergehungen gegen die Vernunft von Leib und Seele, sondern gewöhnlich durch zahllose unbemerkte kleine Nachlässigkeiten.
Friedrich Nietzsche, Morgenröte
Die Gewohnheit ist eine zweite Natur, welche die erste zerstört.
Blaise Pascal, Gedanken
Von Natur aus sind wir alle Nichtraucher - es wird Zeit, dass Sie diese wahre Natur wieder herstellen.
Es gibt keinerlei Lebensbedingungen, an die sich der Mensch nicht gewöhnen könnte, namentlich, wenn er sieht, dass seine ganze Umgebung das gleiche Leben führt.
Leo N. Tolstoi, Anna Karenina
Orientieren Sie sich an den Nichtrauchern Ihrer Umgebung.
Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens. Die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewusstsein zur Ruhe begeben, dass die Gewohnheit schon weiß, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Sobald Sie die Gewohnheit des Rauchens aufgegeben haben, werden Sie erstaunt sein, welche Fähigkeiten in Ihnen wach werden.
Und zu zum Schluss:
„Gewohnheiten machen alt. Jung bleibt man durch die Bereitschaft zum Wechsel.„
Attila Hörbiger (1896-1987), Schauspieler
Sobald Sie nicht mehr rauchen, ist es, als hätten Sie das Geheimnis des Jungbrunnens gelüftet.
Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, so denken wir, alles sei verloren. Aber dabei beginnt doch nur etwas Neues und Gutes.
Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden
Gewohnheiten sind nicht nur schlecht!
Neben der Abhängigkeit gilt es, ein weiteres und viel mächtigeres Hindernis zu überwinden.
Es ist die Macht der Gewohnheit.
Die Redewendung von der „Macht der Gewohnheit„ bezieht sich auf die Tatsache, dass auf der Grundlage ausgeprägter Gewohnheiten ein entsprechendes Handeln immer schneller zustande kommt als ein bewusstes Tun.
Das gewohnheitsmäßige Handeln hat evolutionäre Wurzeln.
Besonders hilfreich, um zu überleben, ist dieses reflexartige Reagieren in bedrohlichen Situationen.
An einem Beispiel möchte ich diese Aussage verdeutlichen.
Wenn ein Gegenstand schnell direkt auf Sie zukommt, werden Sie nicht lange überlegen, wie, warum oder ob Sie ausweichen sollten, Sie werden es reflexartig tun. Diese Gewohnheit hat sich nicht dadurch ausgebildet, dass Sie bereits zahlreiche ähnlich gefährliche Situationen gemeistert haben, sondern spielerisch. Es geschah in Ihrer Kindheit beim Ballspielen, Abklatsch- oder anderen Spielen, die ein geschicktes Ausweichen erforderten, um weiter im Spiel (am Leben) bleiben zu können.
Ein bewusstes Abweichen von solchen Gewohnheiten ist mit inneren Spannungen verbunden. Auch hier wieder ein Beispiel, das Sie möglicherweise selbst schon erlebt haben oder einmal austesten können. Sie stehen hinter einer Fensterscheibe und jemand schüttet aus einem Eimer einen Schwall Wasser dagegen. Reflexartig werden Sie ausweichen, obwohl ja kein Grund dafür besteht, denn die Fensterscheibe hält das Wasser ab. Wenn Sie dagegen bewusst diesen Reflex unterdrücken, werden Sie diese innere Spannung zu spüren bekommen.
Was haben derartige Gewohnheiten, die das Leben leichter und sicherer machen, mit Ihrer Gewohnheit zu rauchen gemeinsam?
Der Ursprung des gewohnheitsmäßigen Handelns liegt in Ihrem Unterbewusstsein verborgen. Nun kann Ihr Unterbewusstsein aber nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden, also eine Gewohnheit nicht nach ihrem Sinn oder Wert beurteilen. Gewohnheiten sind für Ihr Unterbewusstsein immer gut, denn sie erhöhen die Chance zu überleben. Dieses Verhalten Ihres Unterbewusstseins ist beim Rauchen zwar widersinnig, da dieses ja langfristig Ihr Leben zerstört, aber für das Unterbewusstsein dennoch schlüssig.
Gott sei Dank ist Ihr Unterbewusstsein aber lernfähig.
Diese gerade bei dem Versuch mit dem Wasserschwall beschriebene innere Spannung werden Sie bei vielen Gelegenheiten zu spüren bekommen, sobald Sie Ihre letzte Zigarette geraucht haben. Es gilt, zahlreiche Gewohnheiten abzulegen. So werden Sie zum Kaffee, beim Autofahren oder wenn Sie sich an Ihren Schreibtisch setzen, nicht mehr rauchen.
Glücklicherweise lernt aber Ihr Unterbewusstsein, dieses neue Verhalten als Gewohnheit zu akzeptieren. Um beim Beispiel mit dem Wasserguss zu bleiben. Nach zwei, drei Versuchen werden Sie wie selbstverständlich ohne flaues Gefühl stehen bleiben können. Also keine Angst vor der Macht Ihrer Gewohnheiten. Sie werden im zweiten Kapitel Hilfen erhalten, wie Sie diese Macht zu Ihrem Nutzen einsetzen können.
Um Ihnen schon einmal die Angst vor diesem auftretenden Unbehagen zu nehmen, führen Sie bitte unbedingt nachfolgende Aufgabe aus.
Die Aufgabe!
Wie alle Raucher rauchen auch Sie zu bestimmten Anlässen reflexartig und ohne ein wirkliches Bedürfnis wie z. B. Nikotinmangel.
Suchen Sie sich einen Anlass aus.
Ich empfehle Ihnen zunächst eine Gewohnheit zu wählen, die nur 1-2-mal am Tag vorkommt.
Ab sofort – nicht morgen oder übermorgen – nehmen Sie sich vor, bei dieser Gelegenheit nicht mehr zu rauchen.
Anfangs werden Sie feststellen, dass Sie sich trotzdem das eine oder andere Mal ganz automatisch eine Zigarette anzünden werden.
Machen Sie dann die Zigarette sofort aus.
Das Ergebnis dieser Aufgabe:
Nach 15-20-mal des Nichtrauchens werden Sie diese neue Gewohnheit übernommen haben.
Sie werden bei dieser von Ihnen ausgewählten Gelegenheit ganz automatisch nicht mehr rauchen.
Jetzt nehmen Sie sich eine weitere Gewohnheit vor.
Je mehr derartige Verknüpfungen Sie bis zum Tag X durch die neue Gewohnheit, nicht zu rauchen, ersetzt haben, desto leichter werden Sie es die ersten Tage nach Ihrer letzten Zigarette haben. Denn diese Erfahrung wird Ihnen helfen, die noch übrig gebliebenen Gewohnheiten leichter abzulegen.
Noch ein Hinweis:
Wie Sie ja wissen, verursacht Nikotin eine Abhängigkeit. Dies führt dazu, dass der sinkende Nikotinspiegel durch erneutes Rauchen aufgefüllt sein will. Die Halbwertszeit von Nikotin beträgt ca. ½-2 Stunden. Man kann deshalb davon ausgehen, dass nach ca. 1 Stunde bei einem Raucher der Nikotinspiegel so weit abgesunken ist, dass nach dieser Zeit das Bedürfnis, diesen wieder aufzufüllen, eintritt. Wenn also der absinkende Nikotinspiegel die einzige Ursache dafür wäre, dass Sie rauchen, würde es genügen, alle 60 Minuten eine Zigarette zu rauchen. Das heißt, jede Zigarette die Sie innerhalb dieser 60 Minuten rauchen, rauchen Sie lediglich aus Gewohnheit.
Eine Erfahrung von mir
Da ich grundsätzlich an Wochenenden, die ich mit meiner Familie verbrachte, nicht rauchte, habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich während dieser Tage keinerlei Probleme hatte, nicht zu rauchen.
An den Wochenenden nicht zu rauchen, war mir zur Gewohnheit geworden.
Übrigens hatte ich auch keine „Entzugserscheinungen„ während dieser zwei Tage.
Meine Probleme begannen immer erst am Montag, wenn ich in die Praxis fuhr. Irgendwann hatte ich mir angewöhnt, bereits auf dem Weg zur Praxis im Auto zu rauchen. Diese Gewohnheit legte ich als erste ab.
Bereits nach einer Woche war es für mich wieder eine Selbstverständlichkeit, im Auto nicht zu rauchen.
Die nächste Gewohnheit, die ich ablegte, betraf die Angewohnheit, mir, sobald ich die Praxis betrat und der Computer hochfuhr, eine Zigarette anzuzünden.
Mein Versuch, bei dieser Gelegenheit nicht zu rauchen, scheiterte zunächst. Es machte mich nervös, einfach nur zu warten, bis der Computer betriebsbereit war.
Erst als ich nach dem Einschalten des Computers und während dieser hochfuhr sofort damit begann, einen Tagesplan zu entwerfen, gelang mir die Verknüpfung: Computer einschalten und nicht mehr rauchen.
Bereits nach wenigen Tagen verschwand dieses anfänglich noch vorhandene Bedürfnis gänzlich.
Bis zu meinem Tag X habe ich etwa fünf weitere Rauchgewohnheiten abgelegt oder durch andere Gewohnheiten ersetzt. Oft griff ich zu Ersatzhandlungen, um mich von meinem augenblicklichen Rauchbedürfnis abzulenken. So hatte ich immer frisches Obst griffbereit oder ich machte einfach 10 Minuten Sport. Statt Hanteln nahm ich zwei dicke Fachbücher, auch Kniebeugen oder Liegestützen waren sehr hilfreich.
Übrigens:
Es macht durchaus Sinn, sich nur wenige oder nur eine einzige Ersatzhandlung auszusuchen. Dadurch gelingt es schneller, die Reaktionskette, bestimmte Tätigkeit kombiniert mit Rauchen, zu überschreiben.
Vermeiden Sie Ersatzhandlungen, die ebenfalls eine schädliche Gewohnheit hervorrufen können.
Beispiele wären, statt einer Zigarette ein Bonbon zu lutschen oder ein Stück Schokolade zu essen.
Natürlich lassen sich Angewohnheiten auch ohne Ersatzhandlung ablegen.
Statt wie bisher bei einer bestimmten Gelegenheit zu rauchen, wird es Ihnen zur Gewohnheit werden, dabei eben nicht mehr zu rauchen.
Tipp:
Entlarven Sie Ihre Gewohnheiten. Fragen Sie sich bei jeder Zigarette, bevor Sie sie anzünden, warum Sie gerade jetzt diese Zigarette rauchen wollen.
Gewohnheit oder Nikotinspiegel?
Falls es sich um eine Gewohnheit handelt, zünden Sie die Zigarette einfach nicht an.